Das Coming Out von einem homosexuellen Dachdecker

Dachdecker

In diesem Text geht es um das Coming Out eines Dachdeckers in der heutigen Gesellschaft. Diese Gesellschaft ist zweifelsfrei eine tolerantere, als sie es noch vor ein paar Jahrzehnten war. In England in den 50er Jahren, war es zum Beispiel bei Frauen nicht gern gesehen, wenn Sie Röcke angezogen haben. Dieses Beispiel macht deutlich, wie sich die Zeiten geändert haben. Aber auch heute ist eine Gesellschaft noch weit davon entfernt, Schwulen und Lesben dieselben Rechte zuzuschreiben, die sie heterosexuellen Paaren gibt.

Homosexualität gibt es nur woanders

Viele Menschen warten auch sehr lange mit ihrem Coming Out. Das kann verschiedene Gründe haben. Vielleicht haben sie eine Familie und wollen das vor ihr geheim halten. Vielleicht wollen sie Menschen nicht überraschen, weil sie so sehr in ihrem Weltbild eingeschränkt sind, dass für sie homosexuell immer nur „die Anderen“ sind. Aber nie der aus der eigenen Familie oder dem Freundeskreis. Oder aber, die Domäne in der sich jemand befindet, lässt es schlichtweg nur sehr schwer zu, zu sagen, dass jemand homosexuell ist. Ein bekanntes Beispiel ist Thomas Hitzelsperger. Der bekannte Fußballspieler machte vor einiger Zeit öffentlich, dass er Männer liebt. Der Sturm der Entrüstung war groß, aber gleichzeitig gab es auch viel Respekt für seine Äußerungen. Dieses Beispiel zeigt, dass Homosexualität noch lange nicht in der Gesellschaft angekommen ist.

Fußballspieler sind moderne Gladiatoren

Denn ansonsten hätte es keinen Sturm der Entrüstung geben können und Menschen hätten ihm keinen Respekt zusprechen müssen. Aber woran lag es dann? Nun, Thomas Hitzelsperger hat in einem Geschäft seinen Beruf ausgeübt, die zwar nicht komplett nur von Männern besetzt ist, aber für viele Menschen sind Fußballspieler die modernen Gladiatoren. Sie kommen ins Stadion, um zwei Mannschaften gegeneinander kämpfen zu sehen. Diese Wortwahl zeigt schon, was es mit Gladiatoren auf sich hat. Dort ging es um Leben und Tod. Der Sieger hat meistens sogar noch eine Dame bekommen, so perfide das auch klingt.

Homosexualität und Handwerk das passt nicht oder doch?

Auch Dachdecker gehören einem Berufsstamm an, der nicht dafür bekannt ist besonders tolerant zu sein. Auf dem Dach geht es um das Machen, nicht um das Reden. Pragmatismus ist gefragt. Ein Attribut, was immer noch mehr Männern zugesprochen wird, auch wenn das nicht stimmen muss und auch Homosexualität ist im Handwerk allgemein noch sehr verpönt. Das ist natürlich kein schöner Zustand, aber der Status – quo.

Soll ich öffentlich zu meiner Sexualität stehen oder nicht?

Ein homosexuellen Dachdecker hat es also besonders schwer sein Coming Out durchzuziehen. Denn vielleicht fürchtet er den Spott der Kollegen oder sogar, dass der Chef ihm andere Aufgaben zuteilt oder ihn im schlimmsten Fall nicht mehr zu Kunden schickt, weil er um seinen Betrieb Angst hat. Klar ist diese Angst total unbegründet, aber sie zeigt, dass homosexuelle Männer sich es mehrmals überlegen, ob sie ein Coming Out durchziehen oder nicht.

Dieser Text hat gezeigt, dass das Coming Out in der heutigen Gesellschaft noch immer keine einfach Sache ist. Dabei macht es keinen Unterschied, ob es um einen Sportler oder einen Dachdecker geht. Beide haben mit Vorurteilen zu kämpfen und müssen leider oft Spott und Häme fürchten. Dazu kommt, dass sie mit weiteren Auswirkungen ihres Coming Outs rechnen müssen. Es kann sein, dass sie nicht mehr zu Kunden geschickt werden oder es kann sein, dass Kollegen nicht mehr mit ihnen zu tun haben wollen. Diese Gründe halten homosexuelle Dachdecker mitunter davon ab, sich zu ihrer Sexualität zu äußern. Die Zukunft wird zeigen, wie tolerant die Gesellschaft ist und ob sich bald mehr Menschen aus dem Handwerk zu ihrer Homosexualität äußern werden. Es bleibt also spannend und wird sicherlich noch ein paar Jahre dauern.